Sie fliegen wieder

Lange hatte man von den flüchtigen Gebilden kaum noch etwas gehört. Es schien, als hätten die Unidentifizierten Flug-Objekte, kurz UFO, jedes Interesse an den Lebensformen verloren, die am Boden eines Luft-Ozeans auf dem dritten Begleiter der Sonne im Orionarm der Milchstraße herum kriechen. Jetzt fliegen sie offenbar wieder. Jedenfalls untersucht das Verteidigungs-Ministerium in Washington eine Reihe ungeklärter Sichtungen amerikanischer Marine-Flieger. So hat die Behörde jetzt amtlich bestätigt.

(von Volker Wittmann)

Ein Sprecher des Pentagon, Christopher Sherwood, stellte gegenüber der Zeitung „Washington Post“ klar: „Das Ministerium bemüht sich um die Identifizierung jeglicher Flugzeuge in unserem operativen Luftraum, von denen ein potentielle Bedrohungen unseres Heimatlandes ausgehen könnte.“ Dazu überprüft es „Berichte über Begegnungen mit unidentifizierten Fluggeräten durch US-Militärpiloten“.

Bisher hatte die Dienststelle die Tätigkeit beamteter UFO-Forscher wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Erst im Dezember 2017 enthüllte die „New York Times“, („NYT“), ein „Advanced Aerospace Threat Identification Program“, AATIP, eine Fortentwickelte Richtlinie zur Aufklärung von Bedrohungen aus dem Luft- und Weltraum. Es hatte schon 2007 seine Arbeit aufgenommen, wurde aber niemals amtlich zugegeben.

Jetzt wurden drei Videos veröffentlicht, die Flieger der US-Kriegsmarine mit ihren Geräten zur Zielerfassung aufgenommen hatten. Unter anderen zeigt eine der Bildfolgen ein weißliches Oval  von der Größe einer Verkehrsmaschine der zivilen Luftfahrt. Zwei Jägern vom Typ F/A 18F des Flugzeugträgers Nimitz war es gelungen das Objekt vor der pazifischen Küste auf der Höhe von San Diego ein Objekt ins Visier zu bekommen.

https://youtu.be/tf1uLwUTDA0

https://youtu.be/6rWOtrke0HY

https://youtu.be/wxVRg7LLaQA

Das Unternehmen AATIP wurde um 2012 eingestellt, wie es heißt. Teile davon unterliegen immer noch der Geheimhaltung. In der Folge hat das Pentagon jedoch Sichtungen solcher Art auf anderen Dienstwegen weiterhin untersucht. Ferner arbeite man an einem Entwurf neuer Richtlinien für Marineflieger, die unbekannte Flugobjekte sichten. So berichtete auch die amerikanischen Zeitung „Politico“.

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Die „NYT“ veröffentlichte Ende Mai ein Interview mit Leutnant zur See, Marine-Flieger Ryan Graves. Der Soldat flog zehn Jahre für die US-Navy unter anderem eine F/A-18 Super Hornet. Ende 2014 hatte der Offizier einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem der rätselhaften Flugkörper. Ein dienstliches Protokoll des Zwischenfalls liegt vor. Zudem berichtete er dem Kongreß in Washington, der Versammlung beider Kammern, Senat und Repräsentantenhaus, von seinen Sichtungen.

Leutnant Graves diente im Geschwader „Red Ripper“ auf dem Flugzeugträger „USS Theodore Roosevelt“. Im Jahr 2015 wurde das Bordradar von Flugzeugen dieser Einheit durch neue, leistungsfähigere ersetzt. „Je mehr Maschinen mit dem neuen Gerät ausgerüstet wurden,“ so berichtete der Offizier, „umso mehr Piloten orteten diese fremdartigen Objekte.“ Die „USS Theodore Roosevelt“ war auf einem Übungseinsatz vor dem Stützpunkt der Marineflieger „Oceana“ an der amerikanischen Ostküste auf der Höhe des Bundesstaats Virginia.

„Zunächst dachten wir, es handele sich um Scheinziele“, erklärte Graves. Er und  Leutnant Danny Accoin gehören zu den wenigen Zeugen, die namentlich gegenüber der „NYT“ von ihren Sichtungen berichteten. Drei weitere Piloten des Geschwaders haben gegenüber der Zeitung ohne Namensnennung von den Vorfällen berichtet. Accoin hatte zweimal mit den fremdartigen Flugkörpern zu tun. Beim ersten Zusammentreffen erschien das Objekt nur auf dem Bordradar, so daß er seine Maschine auf dessen Kurs einklinken konnte. Für seine Helmkamera blieb es aber unsichtbar. Deshalb nahm er zunächst an, er habe es mit einer neuartigen Drohne eines geheimen Entwicklungs-Programms zu tun.

Wenige Tage darauf erfaßte eine Übungsrakete an seinem Flugzeug ein unbekanntes Objekt und auch eine Infrarot-Kamera zeigt es an. „Jetzt wußte ich, daß es kein Scheinziel war“, sagte Accoin, „obwohl ich es optisch immer noch nicht ausmachen konnte.“ Kurze Zeit später kam es auch zu eindeutigen Sichtungen.

Graves berichtet von einem Kameraden, der mit allen Anzeichen eines Schreckens im Gesicht von einem Übungsflug zurück kam. „Ich wäre um ein Haar mit einem dieser Dinger zusammen gestoßen“, so schilderte er einen Zwischenfall. Der Pilot und sein Rottenflieger hielten hoch über der Atlantik-Küste von Virginia etwa dreißig Meter Abstand, als plötzlich etwas zwischen ihnen hindurch flog, knapp an seiner Kanzel vorbei. Es hatte die Gestalt einer „Kugel  mit einbeschriebenem  Würfel“.

Fortan waren die Marineflieger überzeugt, daß es sich um kein geheimes Drohnen-Programms handeln konnte. „Regierungsvertreter hätten schließlich von Ort und Zeit ihrer Übungsflüge gewußt,“ folgerte Leutnant Graves. „Darum hätten sie dort keine Drohnen steigen lassen und Zusammenstöße mit ihren Maschinen riskiert.“ Zudem wurde ein Protokoll davon eingereicht, denn die Vorfälle wurden zu einem Sicherheitsrisiko.

Was sich die Piloten sich nicht erklären konnten, waren die ausgefallenen Flugbewegungen der fremdartigen Körper. Sie beschleunigten geisterhaft schnell auf Überschall-Geschwindigkeit, hielten plötzlich an und beschrieben jähe Kehrtwendungen. Kein menschlicher Insasse hätte das nicht überlebt. „Die Geschwindigkeit bringt einen nicht um“, erläuterte Leutnant Graves, „aber derartige Beschleunigungen oder solchermaßen unvermitteltes Stoppen sehr wohl.“

Unerklärlich blieb auch das Fehlen unabdingbarer Merkmale herkömmlicher Flugzeuge wie Flügel, Steuer und Höhenruder sowie sichtbarer Antriebs-Aggregate wie Propeller oder Turbinen, keine Abgasfahnen. Graves gab zu bedenken: „Ein Flugzeug in der Luft zu halten erfordert einen erheblichen Aufwand an Energie. Diese Dinger sah man den ganzen Tag lang über der Ostküste. Bei den Geschwindigkeiten, die wir zwölf Stunden lang beobachtet haben, sind das elf Stunden mehr als man erwarten dürfte.“

Dabei vermieden alle Augenzeugen jede Vermutung über Wesen und Herkunft der rätselhaften Gebilde. Auch verwendeten sie statt der populären Bezeichnung UFO die Kurzform UAP für „Unidentified Aireal Phenomena“, Unidentifizierte Erscheinungen im Luftraum. Vermutlich wollten sie sich von jedem mystischen UFO-Kult absetzen, der von außerirdischen Besuchern ausgeht. Aber aus dem Innern der Erde werden die UAP kaum kommen.

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Den Anstoß für das Forschungs-Programm des Pentagon gab laut „NYT“ Senator Harry Reid aus dem Bundesstaat Nevada. Der demokratische Politiker versorgte auch die Forschungsanstalt für Raumfahrt-Technik seines Freunds Robert Bigelow mit Fördergeldern. Bigelow entwickelt derzeit für die NASA ausklappbare Fahrzeuge für die Fortbewegung im Weltraum. Gegenüber dem Fernsehsender CBS erklärte der Unternehmer fest davon überzeugt zu sein, daß es außerirdische Wesen gäbe und UFOs die Erde besucht hätten.

Zuvor hatte sich Apollo-Astronaut Edgar Mitschell in ähnlicher Weise geäußert. Unter anderem sagte der sechste Mann im Mond: „Vor 500 Jahren wurde der Astronom Kopernikus als Ketzer verurteilt, weil er behauptete, daß die Erde nicht der Mittelpunkt des Weltalls sei. Das ist inzwischen überholt. Doch heutzutage glaubt die Mehrheit von uns immer noch, daß die Menschheit das biologische Zentrum des Universums ist. Wir werden so lange nicht anerkennen, daß es vernunftbegabtes Leben außerhalb der Erde gibt, bis wir beim Einkaufen mit einem Alien zusammenstoßen.“