Der „Selbstmord“ des Morris K. Jessup

Der „Selbstmord“ des Morris K. Jessup

Morris K. Jessup war ein Autor, der als Astronom und Selenograph (Mondforscher) sowie als UFO-Forscher tätig war, schreibt Charles Berlitz in seinem Buch „Das Bermuda-Dreieck“. Jessup war Autor des Buches „The Case for the UFOs“ (Citadel Press 1955) und verstarb am 29. April 1959 in Miami. Eine der letzten Personen, die Jessup gesehen hatten, war sein Freund Dr. J. Manson Valentine, der Meeresbiologe und u.a. wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bishop-Museum in Honolulu war. Zudem engagierte sich der begeisterte Tauchsportler als ehrenamtlicher Kurator des Wissenschaftlichen Museums von Miami.

(Von Roland M. Horn)

Valentine und einige Freunde teilten Berlitz mit, dass Jessup in einer sehr depressiven Stimmung war. Der Meeresbiologe hatte ihn am Abend des 29. April zum Essen eingeladen, doch Jessup, der eigentlich zugesagt hatte, erschien nicht. Er starb in seinem Kombiwagen im Dade County Park an Kohlenmonoxidvergiftung. Jessup hatte die Auspuffgase mittels eines Schlauches in das Innere seines Wagens geleitet. Also Suizid. Oder etwa doch nicht? Jedenfalls ging die Meinung um, dass es kein Selbstmord war, und Berlitz vermutet, dass dies mit Jessups Meinung zusammenhängt, dass Außerirdische in irdische Ereignisse eingriffen. So wurde von einigen seiner Leser und Anhänger behauptet, dass sein Tod ein Hinweis auf die Gefahren einer zu intensiven Forschung auf diesem Gebiet war.

Valentine, der selbst an außerirdische Besucher als Auslöser des UFO-Phänomens glaubte und von vermehrtem Auftreten von UFOs im sog. Bermudadreieck berichtete, wurde nach Jessup befragt. Er berichtete, dass jener eine Theorie hatte, nach der die Energie des Magnetfelds Materie verwandeln und von einer Dimension in eine andere transportieren könne. UFOs würden in unsere Dimension kommen, um Menschen und anderes mitzunehmen und sich mit ihrer Beute dann in ihre Dimension zurückzögen. Jessup glaubte, dass manche Unfälle durch das „von den Kathodenstrahlen der UFOs hervorgerufene Vakuum“ verursacht würden. „Die UFOs, was immer sie sein mögen, scheinen einen vorübergehenden magnetischen Wirbel zu erzeugen, ein Ionisationsfeld, das Schiffe und Flugzeuge zerstören und verschwinden lassen konnte“, berichtete Valentine, und: „Kurz vor seinem Tod glaubte Jessup, er sei unmittelbar davor, die wissenschaftliche Basis für die Vorgänge zu entdeckten. Er sagte, es sei mit Einsteins einheitlicher Feldtheorie zu erklären.“ Valentine beschreibt diese Theorie und stellt einen Zusammenhang mit dem sagenumwobenen „Philadelphia-Experiment“ her, bei dem im Jahre 1943 ein US-Kriegsschiff unsichtbar gemacht worden sein soll.

Auf die Frage, warum Jessup Suizid beging, antwortete Valentine: „Wenn er Selbstmord beging, dann war wahrscheinlich eine Depression schuld. Die Marine hatte ihm vorgeschlagen, wieder am Philadelphia-Experiment oder ähnlichen Projekten zu arbeiten, aber er hatte abgelehnt – er mache sich wegen der gefährlichen Nebenwirkungen Sorgen. Außerdem war er wegen der Kritik wissenschaftlicher Kreise an seinem Buch entmutigt.“(1)

Wie zu erwarten war, wurde Valentine gleich auf die Bedeutung der Phrase „Wenn er Selbstmord beging“ angesprochen. Gibt es Hinweise darauf, dass er ermordet wurde? Valentine sagt: „Es fielen einige Bemerkungen … manche Leute glaubten es … vielleicht hätte er gerettet werden können … Er lebte noch, als man ihn fand … vielleicht ließ man ihn sterben. Seine Theorien waren sehr weit fortgeschritten, und vielleicht wollten bestimmte Personen oder Organisationen ihre Verbreitung verhindern. Es ist seltsam, dass Jessups eigene Ausgabe des Buches und ein Exemplar, das ein Brian Reeves (ein Schriftsteller, der sich ebenfalls mit UFOs befasste, Anm. Berlitz) ihm gegeben hatte, auf der Post verschwanden, als sie an andere Personen geschickt wurden.“(2)

Der Autor Nick Redfern schreibt in seinem Buch „Close Encounters Of The Fatal Kind“, dass Jessup einigen Freunden gegenüber vertraulich Selbstmordabsichten andeutete, er (Redfern) selbst aber Probleme mit der Selbstmordthese hatte. Redfern erwähnt, dass keine Autopsie an Jessup durchgeführt wurde. (Berlitz präzisiert in seinem Buch „Spurlos“ gar, dass die Leiche am 30. Januar 1962 eingeäschert wurde.) Der Selbstmord sei nur aufgrund des Umstandes angenommen worden, dass es so aussah wie ein Selbstmord.

Weiter weist Redfern darauf hin, dass bei Auffindung Jessups das Rückfenster seines Chevys leicht geöffnet war und der Schlauch von nassen Handtüchern umwickelt war, um zu verhindern, dass Sauerstoff ins Wageninnere gelangt. Jessups Frau Ruby sagte aus, dass diese Handtücher nicht ihre waren. Warum also sollte sich Jessup neue Handtücher gekauft oder sich andere Handtücher irgendwo besorgt haben, anstatt eigene alte zu nehmen? Redfern eröffnet noch eine weitere Möglichkeit: Vielleicht waren die Handtücher gar nicht von Jessup um den Schlauch gewickelt worden, sondern von einer der „feindlichen Gestalten, von denen Jessup immer sprach“. Jessup hat Redfern zufolge immer Angst vor ihnen gehabt. Sie hätten hinter jeder Ecke und inmitten jedes Schattens gelauert. Die Handtücher jedenfalls waren dermaßen durchnässt, dass man sich fragen müsse, wie das Wasser transportiert worden war.

Wo also war der Behälter, in dem das Wasser transportiert wurde? Redfern sagt: „Da war keiner, weder in dem Auto noch irgendwo in seiner Nähe.“ Redfern schließt nicht aus, dass Jessup das Wasser aus dem See im Park geholt haben könnte, doch dann hätten die Handtücher schmutziger gewesen sein müssen, und es hätten sich Spuren schmutzigen Wassers auf dem Rücksitz befinden müssen, denn irgendwie musste Jessup sie ja auch transportieren. Aber da war nichts!

Im Jahr 1977 erschien eine Frau namens Anna Lykinsy Genzlinger auf der Bildfläche, um auszusagen, dass sie Jessup kannte und sie wüsste, dass er sich nicht selbst das Leben genommen hatte. Inzwischen hat diese Frau ein Buch über Jessup namens „The Jessup Dimension“ herausgebracht, das bereits 1984 schon einmal erschienen war; in der neuen Fassung kommen allerdings einige Co-Autoren zu Wort, wie beispielsweise Peter Moon, der zusammen mit einem angeblichen Teilnehmer des sog. Montauk-Projekts, Preston Nichols, mehrere Bücher über dieses angebliche Folge-Projekt des Philadelphia-Experiments geschrieben hatte.

Um wieder auf Redferns Recherche-Ergebnisse zurückzukommen, bringt dieser noch eine andere Variante ins Spiel, nämlich die, dass Jessup mit Radio- und Mikrowellen bestrahlt worden sein könnte, die sein Gehirn beeinflusst hätten. Charles Berlitz und William L. Moore berichten in ihrem Buch „Das Philadelphia Experiment“, dass Jessup depressiv war und immer depressiver wurde.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an ein Statement des „Enfant Terrible der Ufologie“ John A. Keel, der sagte: „Personen ohne verborgene psychische Fähigkeiten können Metaphysik jahrelang studieren und täglich Riten praktizieren, ohne jedoch hoffen zu dürfen, am Besessenheitsstadium vorbeizukommen. Viele der UFO-Untersucher in den letzten 25 Jahren haben den gleichen traurigen Weg eingeschlagen und erlitten Nervenzusammenbrüche, Formen von Besessenheit und Suizid.“(3)

Anmerkungen und Quellen:

Dieser Artikel fußt größtenteils auf dem Buch „UFOs, Okkultismus und Mysterien – heute und im Dritten Reich“ vom Autor dieses Beitrags und wurde erstveröffentlicht auf www.atlantisforschung.de

Quellen:

  1. Berlitz 1975, S. 148
  2. Ebenda
  3. Keel 1975, S. 199; Hervorhebung von RMH

Sonstige verwendete Bücher:

Berlitz, Charles: und William L. Moore: Das Philadelphia Experiment. Wien/Hamburg 1977

Berlitz, Charles: Das Bermuda-Dreieck. Gütersloh 1975

Berlitz, Charles: Spurlos. Wien/Hamburg 1977

Keel, John, A.: The Cosmic Question. London 1975

Redfern, Nick: Closes Encounters of The Fatal Kind. New York 2014

Quelle DieUnbestechlichen