Baphomets einäugiger Hohepriester Lucien Greaves

Lucien Greaves / Screenshot Youtube / Montage Pixabay

Es ist alles ganz harmlos, beteuert Douglas Mesner der sich Lucien Greaves nennt und 2013 den “Satanic Temple” gegründet hat. Die Organisation  gehört zum modernen, atheistischen Satanismus wie auch die Church of Satan von Anton LaVey (t 1997), schreibt Wikipedia, als handele es sich um eine neue Sportart.

Laut Greaves sei es möglich, Religion und den Glauben an Übernatürliches voneinander zu trennen. Wie in anderen Formen des modernen Satanismus wird Satan daher nicht als real existierende Wesenheit angebetet, sondern steht vielmehr als Symbol für Individualität, Freiheitswillen und das Aufbegehren gegen Tyrannei. Aber warum muss man dann so auftreten?

Die satanistische Symbolik dient “nur” als kultureller und identitätsstiftender Rahmen.  Außerdem gibt es sieben Grundsätze, die deutlich machen sollen, worum es den Satanisten “wirklich” geht:

  1. Ein jeder sollte danach streben, gegenüber allen Lebewesen mit Mitgefühl und Einfühlungsvermögen im Einklang mit der Vernunft zu handeln.
  2. Das Streben nach Gerechtigkeit ist ein fortlaufendes und notwendiges Anliegen, das über Gesetzen und Institutionen stehen sollte.
  3. Der eigene Körper ist unantastbar, er unterliegt dem eigenen Willen allein.
  4. Die Freiheiten anderer sollten respektiert werden, einschließlich der Freiheit zu kränken. In die Freiheiten eines anderen vorsätzlich und zu Unrecht einzugreifen, heißt auf die eigenen zu verzichten.
  5. Überzeugungen sollten unserem besten wissenschaftlichen Verständnis der Welt entsprechen. Wir sollten darauf achten, niemals wissenschaftliche Fakten so zu verbiegen, dass sie zu unseren Überzeugungen passen.
  6. Menschen sind fehlbar. Wenn wir einen Fehler machen, sollten wir unser Bestes geben, ihn zu korrigieren und eventuell entstandenen Schaden zu beheben.
  7. Jeder dieser Grundsätze ist ein Leitprinzip, ausgelegt, um edles Handeln und Denken zu inspirieren. Der Geist von Mitgefühl, Weisheit und Gerechtigkeit sollte jederzeit über dem geschriebenen und gesprochenen Wort stehen.“

Das klingt ja gar nicht so schlecht. Die Organisation tritt in Kampagnen immer wieder für absolute Religionsfreiheit und gegen politische Einflussnahme christlicher Gruppierungen ein, engagiert sich gegen die in einigen US-Staaten noch legalen Körperstrafen für ungehorsame Schüler und für das Recht auf Abtreibung.

Weiter liest man auf Wikipedia: In einem Interview mit der New York Times gab Mitbegründer Malcom Jarry an, dass die erste Idee auf George W. Bushs Gründung des White House Office of Faith-Based and Community Initiatives (OFBCI) (dt. Amt des Weißen Hauses für religiöse und kirchgemeindliche Initiativen) im Jahr 2001 zurückgeht. George W. Bush ist Mitglied des Bohemian Grove, dem mehrere US-Präsidenten angehörten und wo auch einmal der vielgelobte SPD-Kanzler Helmut Schmidt Zeuge der Rituale werden durfte. Natürlich handelte es sich nur um eine “Männerparty”, schrieb der SPIEGEL dazu. Es ist also alles ganz harmlos.

Doch wenn es “nur” um die freie Entfaltung des eigenen Potentials geht, warum dann all diese Symbolik und die Rituale? Kann man ohne Satan nicht genau so gut freidenken und Kirchenkritiker sein?

Was soll der Mummenschanz, wenn man doch eigentlich “nur” den Mummenschanz der Kirchen und die (Schreckens-)Herrschaft Gottes beenden will?

Offiziell beruft sich der Satanic Temple auf den “literarischen Teufel”, nicht auf das übernatürliche Wesen, an das die von ihnen kritisierten Christen vor allem in den USA glauben. In Deutschland wird nur selten über die Gruppierung berichtet, wie über die öffentliche Abtreibung der Sprecherin des Satanic Temple, Jex Blackmoore.

Und was schreibt die WELT dazu?

Anders als der düstere Name suggerieren mag, distanzieren sich die Anhänger von jeglicher Art theistischen Glaubens, auch von der Teufelsanbetung. Es ist der rebellische, freiheitsliebende Satan der literarischen Welt Miltons und der Schriftsteller der Romantik, mit dem sich die Gemeinschaft identifiziert: ein Symbolbild der Unabhängigkeit.

Das klingt nicht sonderlich kritisch, sondern eher wie ein Plädoyer für das Recht auf Abtreibung. Weniger einseitig, sondern einfach nur dokumentarisch sind diese beiden Videos des bösen Putin-Senders RT.

RT 2016: In Salem in Massachusetts ist ein satanistischer Tempel der selbsterkorenen größten satanistischen Organisation weltweit eröffnet worden. Es soll der neue internationale Hauptsitz der Satanisten sein. Die Künstler Mark Porter und Chris P. Andres präsentierten einige ihrer Werke, die im Tempel ausgestellt sind. Darunter ein Bafomet, ein Ziegenkopf mit menschlichem Körper, der eine okkulte Geste macht, während zwei Kinder vor ihm stehen. Die Statue ist aus Bronze, 2,74 Meter hoch und soll etwa eine Tonne wiegen.

Die Organisation „The Satanic Temple“ wollte sie als „Hommage an Satan“ auf dem Grundstück des Parlamentsgebäudes in Oklahoma City neben einer Tafel, in der die Zehn Gebote eingemeißelt sind, aufstellen, um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich auf Satans Schoß zu setzen. Zudem solle die Statue für Religionsfreiheit werben und Kindern eine Möglichkeit zum Spielen bieten. Ein Autofahrer zerstörte die Tafel mit den Zehn Geboten allerdings „im Namen Satans“, woraufhin die Organisation der Satanisten das Aufstellen der Bronze-Statue für hinfällig hielt. Die Satanisten hatten zudem im August eine Schwarze Messe in Oklahoma abgehalten, was zu Protest in der Bevölkerung führte. Rund 1.000 Christen versammelten sich zum gemeinsamen Beten gegen die Teufelsanhänger.

Andere Standpunkte vertreten die evangelische Nachrichtenagentur idea und katholisches.info. Viel mehr findet man in deutschsprachigen Medien auch nicht zur Thematik, abgesehen von metal-hammer, wo ausführlich über die Anerkennung des Satanic Temple als Religionsgemeinschaft berichtet wurde. Das war im April 2019. Dazu ein bißchen Klatsch: “Unter anderem verklagten die Satanisten Netflix und Warner Bros., weil diese angeblich das Baphomet-Design der Organisation geklaut und für die Hexen-Serie ‘Chilling Adventures Of Sabrina’ verwendet haben.” (1) (2)

Es läuft gut für Lucien Greaves. In den USA hagelt es eine Schlagzeile nach der anderen, weil sich die Satanisten weiter für das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung einsetzen.

Dem großen Vorbild des Satanismus ohne einen echten Teufel folgen auch in Deutschland erste Nachahmer. Die Frankfurter Neue Presse hat ein Interview mit einem Angestellten im öffentlichen Dienst geführt:

“…. Der 36-Jährige arbeitet im öffentlichen Dienst und bezeichnet sich selbst als Satanist. In der „Bruderschaft des Samael“ versucht er mit Gleichgesinnten, den Anliegen des modernen Satanismus Gehör zu verschaffen. Guter Gesprächspartner für die Karwoche, dachten wir – und haben Michael mal angerufen. (Michael möchte nicht mit vollem Namen in der Presse erscheinen – zu groß sind die Vorurteile gegen Satanisten, sagt er.)” (3)

Warum geht “Michael” nicht einfach zu den Linken, Grünen und sonstigen Willkommensklatschern, die sich für all das begeistern, wofür Baphomet steht: Transgenderideologie, Antichrist (-liches Abendland), das Einreißen und Zerstören von Strukturen sowie das “Menschenrecht” auf Abtreibung? Passt doch sehr gut zusammen, vielleicht gibt es ja bald auch einen Antisatanismusbeauftragten im Bundestag, der gegen Diskriminierung vorgeht.

Handelt es sich wirklich nur um “Befreiungsaktivismus”, so wie es sich bei der Satanistin Marina Abromivic auch nur um Kunst dreht?

Lucien Greaves will den Satanic Temple als eine Weiterentwicklung von Anton LaVeys Church of Satan verstehen.

1967 beschäftigte LaVey in einer seiner Nachtclub-Shows eine Topless-Tänzerin namens „Sharon King“, deren wirklicher Name Susan Atkins war. Atkins war eine der Haupttäterinnen im Fall des Mordes an Roman Polańskis Ehefrau Sharon Tate, der ein Jahr später von der sogenannten Manson Family begangen wurde.

Um die Rituale und Gesänge der Satanisten in seinem Film “Rosemaries Baby” möglichst realistisch darstellen zu können, hatte Roman Polanski Anton LaVey als Assistent für die Ritual-Szenen engagiert. Dafür durfte LaVey den Satan in der “Empfängnis-Szene” des Films spielen. (4)

1969 spielte LaVey im Film des von Aleister Crowley inspirierten Kenneth Anger ,Invokation of My Demon Brother‘ den Teufel. (5) Folgte LaVey am Ende doch der Lehre von Aleister Crowley und gab seiner Kirche nur einen modernen Anstrich, so wie es Lucien Greaves mit dem Satanic Temple macht? Crowley jedenfalls war ein Okkultist, konsumierte etliche Drogen, beschrieb und praktizierte Blut-, Sperma- und Opferrituale. Haben sich die Satanisten von heute wirklich von diesen Wurzeln getrennt?

Welche Sorte Satanist war der Dayton-Shooter, der sich ebenfalls als Linksextremist bezeichnete, zu Satan bekannte und Mitglied der Demokraten war?

Nein, es ist alles ganz harmlos. Satan sells, das Prinzip der Popkultur. John Lennon behauptete, seine Seele für den Erfolg der Beatles an den Teufel verkauft zu haben, die Stones schrieben Satan mit “Sympathy for the devil” eine Hymne, Black Sabbath schwammen mit Okkultismus ganz nach oben und heute befördern Megastars wie Madonna, Katy Perry oder Miley Cyrus satanische Symbolik in die Köpfe ihrer jugendlichen Fans.

Gläubige Christen sagen, einer der größten Tricks des Teufels sei es, den Menschen einzureden, dass es ihn gar nicht gäbe. Goethe schrieb seinerzeit:

“Den Teufel spürt das Völkchen nie. Und wenn er sie beim Kragen hätte.”

Satan ist Mainstream – Black Metal war gestern


Quelle: O24